Wessen Problem sind die Kinder !?
Sind die Kinder ein Problem ?!
Ich bin oft sprachlos über die Formulierungen, die rund um die aktuelle Diskussion der Kinderbetreuung entstehen. Kein Wunder, dass viele junge Menschen gedanklich von Haus aus von der Idee der Familiengründung Abstand nehmen, wenn Kinder ständig als "Problem" diskutiert werden und sogar in der Schule die Elternschaft als Armutsfalle dargestellt wird.
Umso trauriger noch, dass das meist auch der Wahrheit entspricht.
Mir gefällt die Diskussion, die nun in Deutschland und in Österreich geführt wird, die wichtigsten Elemente möchte ich hier festhalten.
Über Frau von der Leyen wurde hier ja bereits berichtet.
Martin Bartensteins Beitrag zum Thema spricht mich sehr an:
Wien – Martin Bartenstein sagt, er denke heute über viele Dinge anders als früher. Und zwar wegen seiner Frau und seiner Familie: "Ich habe für die Politik eine allein erziehende, berufstätige Mutter von fünf Kindern zurückgelassen, das prägt." Wohl am meisten Frau Bartenstein selbst, aber offenbar auch den Herrn Minister, denn der fordert nun für einen ÖVP-Politiker beinahe Revolutionäres zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bartenstein zum Standard: "Jedes Kind bis zehn Jahre soll Anspruch auf einen ganztägigen Betreuungsplatz haben, wenn die Eltern den Bedarf haben."
Wichtig sei, dass ein Kind fixe Bezugspersonen habe – "das muss nicht nur die Mutter sein". Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr sei die Betreuung gut, meint Bartenstein, aber: "Wir müssen auch davor und danach etwas tun." Er spreche von "qualitätsvoller Betreuung", sagt der Minister – und er denke dabei auch an Tagesmütter.
Hier müsse "eine Lösung her", findet Bartenstein, "und zwar gemeinsam mit den Ländern". Warum ihm dies gerade jetzt ein Anliegen sei? "Die Debatte in Deutschland ist wichtig und richtig, und auch in Österreich müssen wir sie jetzt führen." Und damit keine Missverständnisse aufkommen: "Die deutsche Familienministerin Ursula Van der Leyen ist eine mutige Frau." Man könne auch hierzulande "nicht wegschauen, uns fehlen die Kinder". Denn: "Frauen haben nur dann die gleichen Berufschancen, wenn sie am Arbeitsmarkt annähernd gleich verfügbar sind wie Männer." Dafür bräuchte es ganztägige Betreuung – oder Frauen entscheiden sich gegen Kinder.
Das ist insofern erstaunlich, als Bartenstein in der schwarz-blau-orangen Regierungszeit stets die Politik seiner ÖVP unterstützte, die da lautete: "Wahlfreiheit für Frauen". Was die meisten ÖVP-Männer als "Freiheit, daheim zu bleiben" interpretierten. Bartenstein will zu diesen nie gehört haben, immerhin habe er das "Berufsverbot" in der Babypause aufgehoben, indem er Zuverdienstgrenzen beim Kindergeld eingeführt habe. Doch er verhehle nicht: "Es wäre besser gewesen, das schon früher zu diskutieren." Und dass es in der ÖVP "Leute gibt, die da nicht einer Meinung mit mir sind", sei ihm klar – "aber immer mehr sind meiner Meinung".
Überhaupt will Bartenstein von Ideologie nichts mehr wissen:
"Die eindimensionale Sichtweise der Linken, dass nur eine berufstätige Frau eine gute Frau ist und der Rechten, dass nur eine Mutter, die daheim bleibt, eine gute Mutter ist, bringt uns nicht weiter."
Daher, so Bartensteins Forderung:
"Wir brauchen einen neuen Feminismus."
(Petra Stuiber; DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10./11.3.2007)
Ergänzend dazu einen doch recht interessanten Artikel aus www.tagesschau.de über ein Kinderbetreuungsmodell im brandenburgischen Schwedt :
Große Nachfrage bei 24-Stunden-Kita
Während Politiker erbittert über die Finanzierung neuer Kita-Plätze streiten, hat man im brandenburgischen Schwedt längst eine Lösung gefunden. Dort bietet der Kita-Verein "Schnatterenten" eine 24-Stunden-Betreuung an - und kann sich vor Anfragen kaum retten.
... Während Politiker noch darüber streiten, wie neue Kita-Plätze finanziert werden sollen, hat der Kita-Verein eine Lösung gefunden. Allerdings: Ohne ehrenamtlichen Einsatz gäbe es die Kita nicht. Sie ist inzwischen so erfolgreich, dass kein Kind mehr aufgenommen werden kann. Kitaleiterin Marlies Helsing: "Aus anfänglich drei Kindern sind inzwischen 24 Kinder geworden. Nur ein Teil von ihnen ist in Schicht-Betreuung. Aber auf unserer Warteliste stehen nur noch Schicht-Kinder. Deshalb denken wir, dass wir notwendig sind und dass die Eltern unser Angebot brauchen." ...
Der ganze Artikel :
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6482152,00.html
Link zu den Schnatterenten
Ich bin oft sprachlos über die Formulierungen, die rund um die aktuelle Diskussion der Kinderbetreuung entstehen. Kein Wunder, dass viele junge Menschen gedanklich von Haus aus von der Idee der Familiengründung Abstand nehmen, wenn Kinder ständig als "Problem" diskutiert werden und sogar in der Schule die Elternschaft als Armutsfalle dargestellt wird.
Umso trauriger noch, dass das meist auch der Wahrheit entspricht.
Mir gefällt die Diskussion, die nun in Deutschland und in Österreich geführt wird, die wichtigsten Elemente möchte ich hier festhalten.
Über Frau von der Leyen wurde hier ja bereits berichtet.
Martin Bartensteins Beitrag zum Thema spricht mich sehr an:
Wien – Martin Bartenstein sagt, er denke heute über viele Dinge anders als früher. Und zwar wegen seiner Frau und seiner Familie: "Ich habe für die Politik eine allein erziehende, berufstätige Mutter von fünf Kindern zurückgelassen, das prägt." Wohl am meisten Frau Bartenstein selbst, aber offenbar auch den Herrn Minister, denn der fordert nun für einen ÖVP-Politiker beinahe Revolutionäres zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bartenstein zum Standard: "Jedes Kind bis zehn Jahre soll Anspruch auf einen ganztägigen Betreuungsplatz haben, wenn die Eltern den Bedarf haben."
Wichtig sei, dass ein Kind fixe Bezugspersonen habe – "das muss nicht nur die Mutter sein". Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr sei die Betreuung gut, meint Bartenstein, aber: "Wir müssen auch davor und danach etwas tun." Er spreche von "qualitätsvoller Betreuung", sagt der Minister – und er denke dabei auch an Tagesmütter.
Hier müsse "eine Lösung her", findet Bartenstein, "und zwar gemeinsam mit den Ländern". Warum ihm dies gerade jetzt ein Anliegen sei? "Die Debatte in Deutschland ist wichtig und richtig, und auch in Österreich müssen wir sie jetzt führen." Und damit keine Missverständnisse aufkommen: "Die deutsche Familienministerin Ursula Van der Leyen ist eine mutige Frau." Man könne auch hierzulande "nicht wegschauen, uns fehlen die Kinder". Denn: "Frauen haben nur dann die gleichen Berufschancen, wenn sie am Arbeitsmarkt annähernd gleich verfügbar sind wie Männer." Dafür bräuchte es ganztägige Betreuung – oder Frauen entscheiden sich gegen Kinder.
Das ist insofern erstaunlich, als Bartenstein in der schwarz-blau-orangen Regierungszeit stets die Politik seiner ÖVP unterstützte, die da lautete: "Wahlfreiheit für Frauen". Was die meisten ÖVP-Männer als "Freiheit, daheim zu bleiben" interpretierten. Bartenstein will zu diesen nie gehört haben, immerhin habe er das "Berufsverbot" in der Babypause aufgehoben, indem er Zuverdienstgrenzen beim Kindergeld eingeführt habe. Doch er verhehle nicht: "Es wäre besser gewesen, das schon früher zu diskutieren." Und dass es in der ÖVP "Leute gibt, die da nicht einer Meinung mit mir sind", sei ihm klar – "aber immer mehr sind meiner Meinung".
Überhaupt will Bartenstein von Ideologie nichts mehr wissen:
"Die eindimensionale Sichtweise der Linken, dass nur eine berufstätige Frau eine gute Frau ist und der Rechten, dass nur eine Mutter, die daheim bleibt, eine gute Mutter ist, bringt uns nicht weiter."
Daher, so Bartensteins Forderung:
"Wir brauchen einen neuen Feminismus."
(Petra Stuiber; DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10./11.3.2007)
Ergänzend dazu einen doch recht interessanten Artikel aus www.tagesschau.de über ein Kinderbetreuungsmodell im brandenburgischen Schwedt :
Große Nachfrage bei 24-Stunden-Kita
Während Politiker erbittert über die Finanzierung neuer Kita-Plätze streiten, hat man im brandenburgischen Schwedt längst eine Lösung gefunden. Dort bietet der Kita-Verein "Schnatterenten" eine 24-Stunden-Betreuung an - und kann sich vor Anfragen kaum retten.
... Während Politiker noch darüber streiten, wie neue Kita-Plätze finanziert werden sollen, hat der Kita-Verein eine Lösung gefunden. Allerdings: Ohne ehrenamtlichen Einsatz gäbe es die Kita nicht. Sie ist inzwischen so erfolgreich, dass kein Kind mehr aufgenommen werden kann. Kitaleiterin Marlies Helsing: "Aus anfänglich drei Kindern sind inzwischen 24 Kinder geworden. Nur ein Teil von ihnen ist in Schicht-Betreuung. Aber auf unserer Warteliste stehen nur noch Schicht-Kinder. Deshalb denken wir, dass wir notwendig sind und dass die Eltern unser Angebot brauchen." ...
Der ganze Artikel :
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6482152,00.html
Link zu den Schnatterenten
naheliegend - 12. Mär, 18:13